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Category: Berichte

Naujahrsvarieté der Ovag in Bad Nauheim am 12. Januar 2023

Naujahrsvarieté der Ovag in Bad Nauheim am 12. Januar 2023

Fast 50 Mitglieder des Kulturrings sahen in diesem Jahr wieder eine grandiose Vorstellung im historischen  Luxushotels DOLCE by Windham. Juwel dieses Hotels  ist das im Jugendstil rekonstruierte Theater mit seinen 730 Sitzplätze.

Ein außergewöhnlicher Mix aus atemberaubender Akrobatik und packender Unterhaltung brachten uns zum Staunen, Lachen und Zittern.

Es moderierte Karsten Stiers der alljährlich unter unter dem Namen Karsten Glück die erfolgreichste deutsche Kinderlieder-Serie »die 30 besten…..« einsingt.

Hier eine Auswahl von über 20 Programmpunkten – sensationell waren sie alle:

Zu beginn des Programm schwangen sich hoch oben unter der Decke drei festlich gewandete Figuren in Brautkleid und Frack auf langen biegsamen Stangen elegant hin und her – Catwall Acrobats  aus Kanada.

Kateryna Nikoforova (Ukraine) jonglierte mit vielen kleinen Bällen, so schnell konnten wir gar nicht gucken.

Schlangenfrau Sheyen Caroli  (Italien) konnte ihren Körper in Positionen verbiegen, so dass wir uns fragten: Hat diese Frau denn keine Knochen?

Modellflugartist Daniel Golla aus dem Landkreis Kassel ließ mit Geschick seine Modellflieger über den Köpfen des Publikums Kapriolen schlagen. Und ich flieg, flieg, flieg…

Eine „artistische Sensation“  aus Kuba: Das Duo Leosvel und Diosmani. Leosvel streckte sich an einer fünf Meter hohen Metallstange komplett in die Horizontale – seinen Körper nur mit beiden Händen an der Stange haltend und sein Partner machte auf seinen Bauchmuskeln einen Handstand. Damit haben sie Dieter  Bohlen schon beim „Supertalent“ schwer begeistert.

Eine unglaubliche Horrortanz-Zaubershow mit der zwölfköpfige Gruppe „Magus Utopia“ aus Holland mit einer  skurrile Choreographie: Schöpfer und Darsteller Marcel Kalisvaart hatte sich gerade  mit seinem hässlichen Schlafanzug ins Bett gelegt, da stieg er auch als Zombie schon wieder auf. Und als er zu guter Letzt in einen kleinen Käfig gesperrt wurde und dieser an der Decke baumelnd durchbohrt und angezündet wurde, wachte er sogleich in seinem Bett wieder auf – wieder im Schlafanzug. Wie kann das sein??

Spektakulär waren auch  die waghalsige Trapeznummern des Duos High Tension (Deutschland/Schweiz) und der sinnliche Flug der Japanerin Yuchan Iizuka an Gurten durch den Artistenhimmel. Sie war in ihren Spitzendessous genauso ein Augenschmaus wie für die die holde Weiblichkeit u.a. Oleg Izossimov (Moskau) in seinem knappen weißen Trikot: in einer Mischung aus Eleganz und Ballett zeigte er einen unglaublicher Balance-Akt.

Die Groupe Dobrovitskyi aus Russland in Bäckerkleidung an Flugstangen und Trapez: fliegende Menschen die mit Saltos durch die Luft fliegen und in den Armen des Fängers landen. D. h. die Bäckermadls wurden zu fetziger

Rock ’n’Roll Musik von Elvis Presley durch die Luft geschleudert und die Bäckerburschen fingen sie auf.

Zum Lachen gab es etwas mit dem Bauchredner Marc Métral aus Frankreich mit seinem Hund Lilli, der scheinbar sprechen kann. „Wau-wau“ konnte er zwar nicht sagen, aber „Miau“.

Die zehnköpfigen Kraft- und Luftakrobaten „Khadgaa“ aus der Mongolei in ihren folkloristischen Kostümen baute menschliche Pyramiden, stemmte Gewichte und wirbelte die Damen  mit Leichtigkeit durch die Luft. Und nein, der Sänger war nicht im Stimmbruch und die Geige war auch nicht verstimmt: so klingt eine  mongolische Pferdekopfgeige

zum mongolischen Kehlkopfgesang Höömij. Fremde Klänge für unsere Ohren.

Während des lang anhaltenden Beifalls am Ende der über 3-stündigen Show ergossen sich Glitzerschlangen und Luftballons auf Bühne und Saal. 45 Artisten aus 15 Nationen zeigten wieder mal eine überwältigende Show. Wir waren begeistert und sicher nicht zum letzten Mal im Neujahrsvarieté.

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CATERINA CORNARO (Oper von Gaetano Donizetti) im Stadttheater Gießen am 6. Jan. 2022 Eine grandiose Vorstellung!

CATERINA CORNARO (Oper von Gaetano Donizetti) im Stadttheater Gießen am 6. Jan. 2022 Eine grandiose Vorstellung!

Bei der Auswahl des Theaterprogramms für die Saison 2022/2023 fiel unsere Wahl auf dieses unbekannte Werk von Donizetti.

Das Gießener Theater hatte in den letzten Jahren schon mehrfach in Vergessenheit geratene Opern von Donizetti auf dem Spielplan, die uns alle begeistert haben: 2004 Lucretia Borgia, 2010 La Favorita und 2015 Linda di Chamounix. Vor allem die lebhafte und temperamentvolle Musik Donizettis ist immer wieder ein Genuss.

Und wer ist Caterina Cornaro? (nein nicht Corona)  Eine Oper, die seit der Uraufführung 1844 noch auf keiner deutschen Bühne zu erleben war. Vor Beginn der Vorstellung lief im Schnelldurchlauf eine Bilderserie über die historischen Hintergründe der Titelfigur. Dabei waren Parallelen zu Promi-Hochzeiten aus der jüngsten Vergangenheit, die beim Publikum ein Schmunzeln hervorriefen.

 

Carina Cornaro wurde im 15. Jahrhundert als venezianische Patriziertochter im Alter von vierzehn Jahren mit dem König von Zypern zwangsverheiratet, um den Inselstaat unter den politischen Einfluss von Venedig zu bringen. Dort wird sie zum Spielball der Mächtigen, die ihr bitteres Los tapfer erträgt.

In der Gießener Inszenierung steht  Caterina in einer edlen Staatsrobe aus Seidendamast  in einer Vitrine, von wo aus sie den Ereignissen tatenlos zuschauen muss. „Und die schöne Braut – sie weinet“. Nach dem Tod ihres Gatten rafft sie ihren Rock, macht einen großen Schritt aus der Vitrine heraus und  appelliert als neue Herrscherin an Mut und Zuversicht der Zyprioten. Wie die  historische Caterina Cornaro,  die nach dem Tod ihres Mannes 1473 zur letzten und geliebten Königin von Zypern wurde.

 

Von dem neuen  jungen Ensemble des Theaters ist vor allem die in Montevideo geborene  Julia Araújo in der Rolle der Caterina Cornaro  mit ihrem hervorragenden Sopran zu  nennen. Grga Peros als Lusignano – König von Zypern  – ist seit 2016 Ensemblemitglied im Gießener Theater. Er  sieht nicht nur gut aus, sondern singt auch noch wie ein junger Gott. Und seit September 2020 ist der armenischstämmige Dirigent Vladimir Yaskorski Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor.

Er dirigierte die Partitur mit richtig viel Schmackes. 

Fazit:  Das war Spitze!

Bei der Auswahl des Theaterprogramms für die Saison 2022/2023 fiel unsere Wahl auf dieses unbekannte Werk von Donizetti.

Das Gießener Theater hatte in den letzten Jahren schon mehrfach in Vergessenheit geratene Opern von Donizetti auf dem Spielplan, die uns alle begeistert haben: 2004 Lucretia Borgia, 2010 La Favorita und 2015 Linda di Chamounix. Vor allem die lebhafte und temperamentvolle Musik Donizettis ist immer wieder ein Genuss.

Und wer ist Caterina Cornaro? (nein nicht Corona)  Eine Oper, die seit der Uraufführung 1844 noch auf keiner deutschen Bühne zu erleben war. Vor Beginn der Vorstellung lief im Schnelldurchlauf eine Bilderserie über die historischen Hintergründe der Titelfigur. Dabei waren Parallelen zu Promi-Hochzeiten aus der jüngsten Vergangenheit, die beim Publikum ein Schmunzeln hervorriefen.

 

Carina Cornaro wurde im 15. Jahrhundert als venezianische Patriziertochter im Alter von vierzehn Jahren mit dem König von Zypern zwangsverheiratet, um den Inselstaat unter den politischen Einfluss von Venedig zu bringen. Dort wird sie zum Spielball der Mächtigen, die ihr bitteres Los tapfer erträgt.

In der Gießener Inszenierung steht  Caterina in einer edlen Staatsrobe aus Seidendamast  in einer Vitrine, von wo aus sie den Ereignissen tatenlos zuschauen muss. „Und die schöne Braut – sie weinet“. Nach dem Tod ihres Gatten rafft sie ihren Rock, macht einen großen Schritt aus der Vitrine heraus und  appelliert als neue Herrscherin an Mut und Zuversicht der Zyprioten. Wie die  historische Caterina Cornaro,  die nach dem Tod ihres Mannes 1473 zur letzten und geliebten Königin von Zypern wurde.

 

Von dem neuen  jungen Ensemble des Theaters ist vor allem die in Montevideo geborene  Julia Araújo in der Rolle der Caterina Cornaro  mit ihrem hervorragenden Sopran zu  nennen. Grga Peros als Lusignano – König von Zypern  – ist seit 2016 Ensemblemitglied im Gießener Theater. Er  sieht nicht nur gut aus, sondern singt auch noch wie ein junger Gott. Und seit September 2020 ist der armenischstämmige Dirigent Vladimir Yaskorski Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor.

Er dirigierte die Partitur mit richtig viel Schmackes. 

Fazit:  Das war Spitze!

Hundepark Stadttheater Gießen am 11. Dezember 2022

Hundepark Stadttheater Gießen am 11. Dezember 2022

Zum ersten Mal wieder im Theater nach 2 Jahren Corona-Pause

 

Am 11. Dezember 2022 sahen wir im Stadttheater Gießen das Schauspiel „Hundepark“ nach dem preisgekrönten

Roman der finnisch-estnischen Schriftstellerin Sofi Oksanen, erschienen 2019.

Hauptfiguren von »Hundepark« sind Olenka und Daria, die  in der Ostukraine eine lukrativen Agentur betreiben, in

welcher Frauen als Leihmütter und Eizellenspenderinnen für reiche kinderlose Ehepaare aus Ost und West angeworben werden.

Als ein Mord geschieht, flüchten beide nach Finnland und begegnen sich 2016 in Helsinki im Hundepark zufällig wieder. Von hier aus wird die Geschichte in zeitlichen Sprüngen rückblickend erzählt mit Einblendungen von Zeit- und Ortsangaben – teilweise etwas verwirrend. So erfahren wir  immer mehr über den Aufstieg und Fall Olenkas. Mit dabei: Mord, Betrug, reiche Oligarchenfrauen, Drogenhandel, Armut rund um die Ausbeutung ihrer Kundinnen.

Eine am Bühnenrand postierte Live-Band erzeugt mit schrillen Outfits einen seltsamen Popsound mit ukrainischen und deutschen Liedern. Die Sängerinnen: vier junge Frauen aus Gießen mit ukrainischen Wurzeln.

Nach der Pause waren ihre Instrumente zugehängt. Die Szenen werden kürzer, die Dialoge hektischer – und auf einmal war Ende.

Keine leichte Kost, aber eine beeindruckende Vorstellung – es machte uns nachdenklich. Das brisante Thema wurde gut  umgesetzt von der neuen Intendantin Simone Sterr und ihrem Team.

Am Ende gab es verdienten Applaus für alle Mitwirkenden.

Spatz und Engel im Stadttheater Gießen am 6.3.2020

Spatz und Engel im Stadttheater Gießen am 6.3.2020

Fast 75 Mitglieder des Kulturrings sahen am vergangenen Freitag eine grandiose Vorstellung im Stadttheater Gießen. Die beiden Akteure Sophie Berner als Edith Piaf und Andrea Matthias Pagani als Marlene Dietrich spielte temperamentvoll und mit viel Herzblut.

Die fast durchgängig schwarze Bühne mit Sofa und Bett verwandelt sich lediglich mit Hilfe von Glitzervorhängen. Mehr Requisiten waren auch nicht nötig, die beiden Protagonisten füllten mit ihrer intensiven Darstellung den Raum. Im Bühnenhintergrund spielte eine kleine Band und lieferte den jeweils passenden Sound. Inszeniert wurde eine Zeitreise vom ersten Treffen der Frauen 1948 bis zu Piafs Tod im Jahre 1963.

Wir bekamen einen Einblick in das Leben zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können: Marlene Dietrich,geboren 1901 in Berlin, stammt aus einer preußischen Offiziersfamilie, wächst in einem Internat auf und wechselt ihre Männer wie ihre Garderobe. Ihre internationale Karriere begann mit der Hauptrolle in dem Film „Der blaue Engel“von Josef von Sternberg, mit dem sie 1933 nach Hollywood ging. Als Protest gegen den Nationalsozialismus nahm sie 1939 die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Marlene Dietrich starb mit 91 Jahren und gilt als größter Star, den Deutschland je hervorgebracht hat.

Edith Piaf, geboren 1915 in Paris, von der Mutter verlassen, Kind eines alkoholkranken Zirkusakrobaten. Aufgewachsen in einem Bordell, träumte stets von der großen Liebe. Ihre Karriere begann als Straßensängerin und machte sie international bekannt – ebenso wie ihre zahlreichen Affären. Schwere Schicksalsschläge blieben ihr nicht erspart, sie musste den Tod ihres einzigen Kindes und den Flugzeugabsturz ihres geliebten Lebensgefährten verkraften. Kurz vor ihrem Tod sang sie vom beleuchteten Eiffelturm herunter ihr Lebensbekenntnis: „Non, je ne regrette rien“ – ihr Lebensmotte: „Nein, ich bereue nichts“. Als sie mit 47 Jahren stirbt, geschwächt durch den jahrelangen Alkohol- und Drogenmissbrauch fällt Frankreich in Staatstrauer, 40 000 Menschen folgen ihrem Sarg.

Die beide Diven verband eine intensive Freundschaft, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieb. Ob die beiden ein Paar waren? Man weiß es nicht.

Die Rolle der Édith Piaf schien Sophie Berner auf den Leib geschrieben. Mit Tränen in den Augen sang sie stimmgewaltig Edith Piafs Welthit „Non, Je ne regrette rien“ und auch im Publikum wischte sich manch einer verstohlen ein Tränchen weg. Andrea M. Pagani verkörperte äußerst glaubhaft Marlene Dietrich und trug mit rauchiger Stimme ihren berühmten Song „Sag mir, wo die Blumen sind“ vor. Dieses Lied gilt seit 2017 – mit wenigen anderen – als Protestsong gegen Donald Trump und seine Politik.

Es einfach toll. Wir saßen wie immer in den ersten Reihen im Parkett und standen auf für eine Standing Ovation. Schließlich stand das gesamte Publikum und spendete minutenlangen Beifall.

Zum Schluss noch einmal eine Erinnerung an unsere

diesjährige Jahreshauptversammlung am Freitag, den 13.03.2020

um 19:30 Uhr im großen Saal im Bürgerhaus in Allendorf statt.
GS

DER VORNAME

DER VORNAME

Eine amüsante Gesellschaftskomödie über Alltagssituationen, die ironisch serviert wurden und uns zum Lachen und Nachdenken anregte.

In einer fröhlichen Runde beim gemeinsamen Abendessen im Hause einer gut situierten Gießener Familie. Peter ist hier Professor für französische Literatur an der Justus-Liebig-Universität und seine Frau Elisabeth Französischlehrerin an der Schule Gleiberger Land. Der Bruder der Gastgeberin verrät, dass seine Freundin Anna in freudiger Erwartung eines Sohn ist. Die Wahl des Vornamens setzt einen innerfamiliären Disput in Gang. Das Kind soll Adolph heißen, was zu Stürmen der Entrüstung führt. Gemeint ist zwar nicht der politisch belastete deutsche Name Adolf, wie die anderen es zunächst verstehen, sondern der Name eines Romanciers. Eine Mitteilung, die die Gemüter erhitzte. In der anschließenden Debatte um richtige und falsche Vornamen kommen plötzlich nie ausgesprochene Wahrheiten, kleine Geheimnisse und Jugendsünden auf auf den Tisch, die bisher aus gutem Grund verschwiegen wurden.

Ebenso wie in der Komödie „Die Schwätzer“, die wir im November letzten Jahres gesehen haben, hatte auch hier die Regisseurin Catheriné Miville hat die Geschichte nach Gießen verlegt.

Eine tiefgründige, tempo- und pointenreiche Vorstellung, die unsere Lachmuskeln gehörig strapazierte.

Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf: das Kind kann gar nicht Adolph heißen – es ist ein Mädchen.

Es ist aber auch immer wieder eine Freude, das spielfreudige Ensemble des Gießener Theaters zu erleben. Die fünf langjährigen Mitglieder des Gießener Schauspielensembles präsentierten sich wieder einmal in glänzender Form.

DER BARBIER VON SEVILLA

DER BARBIER VON SEVILLA

Sonntag, 12. Januar 2020 im Stadttheater Gießen

Oper von Gioachino Rossini | in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Die Kavatine des Figaro ist eine der berühmtesten Arien der Operngeschichte. „Ich bin der Cicero aller Barbiere. Ich gratuliere – mir selbst zum Glück!“ Es ist der fulminante Auftritt des gewitzten, schlagfertigen Barbiers , der sich stets bestens zu verkaufen weiß.

Ein farbenfrohes Bühnengeschehen, was den Akteuren einiges abverlangte. In rasantem Tempo folgten Duette und Arien, was die Sänger mit Bravour meisterten, allen voran der stimmgewaltige Grgo Peros als Figaro. Nicht zuletzt deshalb fand die teilweise doch etwas zugespitzte Interpretation von Rossinis „Barbier“ unseren Beifall.

Der Barbier kommt nicht nur zu Rasur und Haarpflege ins Haus, er ist, wie er selbst von sich sagt, ein „Factotum della cittá“, einer, der jedem für fast jeden Dienst zur Verfügung steht. Nur die Bezahlung muss stimmen. So unterstützt er den den Grafen Almaviva bei der hindernisreichen Eheschließung mit Rosina. Nach mehreren Verwechslungen und Verkleidungen gibt es am Ende schließlich doch noch ein Happy-End und der Graf kann endlich seine Rosina heiraten.

 

Und – was in der Presse kaum Beachtung fand: Grgo Peros, seit Dezember 2016 Ensemblemitglied am Stadttheater Gießen, wurde kürzlich mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Graz ausgezeichnet.

Er studierte zunächst Philosophie und Informationswissenschaften an der Universität Zagreb, bis er sich 2011 zu einem Gesangsstudium an der Kunstuniversität Graz entschloss. 2015 absolvierte er sein Bachelorstudium, 2018 sein Masterstudium – ebenfalls in Graz. Seit Debüt in Gießen 2018 als Don Giovanni ist uns noch in guter Erinnerung.

Weiterhin haben wir erleben dürfen als einer der drei Solisten 2018 in „Carmina Burana“ in der Rittal-Arena und als Lucifero in Oratorium „Die Auferstehung“ im vergangenen Jahr.

GS

WER, WENN NICHT WIR – Die Schwätzer in Gießen

WER, WENN NICHT WIR – Die Schwätzer in Gießen

Das war was! Ein buntes turbulentes Spektakel. Da hatte es die Regisseurin Astrid Jacob schwer mit der Inszenierung von Offenbachs Operette LES BAVARDS („Die Schwätzer“). Diese Operette spielte zwar in Bad Ems, aber die Seltersweg-Schwätzer Mariechen, Waldemar und Justus stürmten die Bühne, wollen das wenig bekannte Meisterwerk stilecht an die Lahn verlegen und mischten sich wortreich in das Geschehen ein.

Das Trio infernale schickte am Ende die Regisseurin nach Hause und machte aus der Geschichte eine Gießen-Operette. Es ging um Justus von Liebig, das Elefantenklo, die Universität und um das weit über die Grenzen hinaus bekannte Gießkannenmuseum. Auch der Landesvater spielte eine Rolle und diverse scherzhafte Anspielungen auf die Kommunalpolitik fehlten natürlich auch nicht.

Nach einigen „Schwätzer-Stücken“ wurde auch Musik anderer Komponisten karnevalistisch umgedichtet, so das Trinklied aus „La Traviata“ und der „Gartenzwergmarsch“ der Jacobsisters. Das „Libretto“ dieser Operetten- Revue haben Jürgen Nimptsch und Lajos Wenzel geschrieben. Beide Künstler sind sonst für den Kölner Männergesangsverein Cäcilia Wolkenburg tätig und schreiben komisch-parodistische Theater- oder Singspiele im kölschen Dialekt für Funk- und Fernsehen. Jürgen Nimptsch war zudem von 2009 bis 2015 Oberbürgermeister von Bonn.

In der Rolle des Schlammbeisers erlebten wir Martin Koob, er ist seit 25 Jahren für Deutschlands ältestes englischsprachiges Theater, das Keller Theatre in Gießen als Schauspieler und Regisseur tätig und seit 12 Jahren Künstlerischer Leiter. Außerdem gab es ein Wiedersehen mit gern gesehenen KünstlerInnen des Stadttheaters wie Carla Maffioletti, Tomi Wendt, Sofia und Karola Pavone. Letztere haben wir im Oktober 2017 als quirlige Zerlina in „Don Giovanni“ gesehen. Ebenfalls quirlig und unterhaltsam waren die Balletteinlagen (Choreographie: Tarek Assam). Ein Höhepunkt war sicher die Gießkannen-Can-Can-Kantate

Auch interessant: Sofia und Karola Pavone haben zusammen mit einer weiteren Schwester – Dorothea, diese ist Chorleiterin in Buseck – Allendorfer Wurzeln. Und die Regisseurin Astrid Jacob wirkte als Kabarettistin im Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit Dieter Hildebrandt, Werner Schneyder u.a. mit. Catherine Miville war damals Assistentin und später auch Regisseurin der erfolgreichen Fernsehsendung und übernahm 1986 auch die Geschäftsführung und künstlerische Leitung bis zu ihrem Wechsel als Intendantin an das Gießener Theater. Sieh an!

Ergebnis: ein bunter karnevalistischer Spaß mit stürmischer Orchesterbegleitung. Und die stimmgewaltigen Sänger schafften es, gegen die temperamentvolle Musik aus dem Orchestergraben anzusingen. Tolle Leistung. Diese gelungen Operette war eine Hommage an Gießen, der stürmische Apllaus am Ende bestätigte dieses.

Ach so: und Bad Ems, der Ort der Uraufführung 1862, ist jetzt zum Vorort von Gießen erklärt.

GS

Lohr am Main

Lohr am Main


Tagesausflug nach Lohr am Samstag, 19. Okt. 2019. Pünktlich wie immer starteten wir mit dem vollbesetzten Bus der Firma Plus Bus Tours zu unserem Tagesausflug nach Lohr in Mainfranken. Nach der Begrüßung durch unserem Vorsitzenden Herwig Stein erläuterte der Organisator Hartmut Winkler den weiteren Tagesablauf.

Am Schlossplatz in Lohr angekommen erwarteten uns die beiden Stadtführer und unser Rundgang durch die Altstadt konnte beginnen. Dominiert wird der gesamte Platz heute vom Lohrer Schloss, erbaut 1340 von Graf Gerhard von Rieneck. Seit 1972 ist im Schloss das Spessartmuseum untergebracht. Leider war es eingerüstet, da 1.500 Quadratmeter Dachfläche neu eingedeckt werden. Bei der Sanierung muss Rücksicht genommen werden auf eine Fledermauskolonie mit rund 150 Tieren. Die Arbeiten können deshalb nur in der „fledermausfreien“ Zeit von Oktober bis März ausgeführt werden.

Der Stadtführer erzählte uns zunächst, dass 1725 angeblich Schneewittchen hier das Licht der Welt erblickt haben soll. Es gäbe es einige Parallelen zu Lohr und seiner Stadtgeschichte. Demnach soll Schneewittchen Freifräulein Maria Sophia von Erthal gewesen sein, deren Vater Philipp Christoph von Erthal eine große Spiegelmanufaktur hatte. Noch heute gäbe im Spessartmuseum einen Spiegel mit der Inschrift „Selbstliebe“. Auch an der Außenwand der benachbarten Kellereischeune war ein „Schneewittchenspiegel“ angebracht, der die zahlreichen Touristen jeweils dazu verleitet, ein „Selfie“ zu machen.

Mittelpunkt der Altstadt ist das Alte Rathaus der ehemals sehr bedeutende Stadt Lohr, entsprechend repräsentativ wurde es um 1600 erbaut. Man kann noch die großen Einfahrtsbogen zu sehen, durch die ein Reiter ohne abzusteigen in die damals offene Markthalle hineinreiten konnte.

Durch die belebte Fußgängerzone mit den zahlreichen Fachwerkhäusern gelangten wir zum Bayersturm, der letzte Turm der einstigen Stadtbefestigung und neben dem Schloss ein Wahrzeichen der Stadt. Auf den obersten Etage lebt die Türmerfamilie Bayer mit ihren Ziegen.

Wir begaben uns dann zur nächsten Sehenswürdigkeit: die Stadtpfarrkirche St. Michael auf dem Kirchenplatz. In der Kirche sahen wir lebensgroße Figuren, die die Leidensgeschichte Jesu darstellen. Wir wurden darüber informiert, dass die Karfreitagsprozession in Lohr die älteste und berühmteste ist in ganz Deutschland und jeweils tausende Besucher anzieht. Mehrere hundert Mitglieder der alter Handwerkszünfte tragen abwechselnd die 13 lebensgroßen Figuren durch die Altstadt. Die Figuren sind teilweisen 300 Jahre alt und wiegen ca. 150 kg.

Auf dem Rückweg zum Schlossplatz kamen wir an der Firma Bosch Rexroth vorbei, mit ca. 5.400 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Region. Weitere Großbetrieb sind die Firma Gerresheimer, u.a. Hersteller von Maggi-Flaschen und Bocksbeutel mit ca. 400 Mitarbeitern, sowie die Firma Hunger-Hydraulik. Beachtlich für eine Kleinstadt wie Lohr mit knapp 15.000 Einwohnern. Man zeigte man uns schließlich noch die neue Stadthalle ohne Fenster. Na ja, so ganz stimmte das nicht, es gab immerhin schießschartenähnliche Lochfenster. Wem´ gefällt!

Mit unserem Bus fuhren wir schließlich über die Alte Mainbrücke, sie verbindet die Altstadt mit dem östlichen Stadtteil Sendelbach. Im „Landhotel Alte Post“ nahmen wir unser vorbestelltes Mittagessen ein und dann ging es auch gleich nahtlos weiter zur Schiffsanlegestelle des Ausflugsschiffes „Maintal-Bummlers“, wo wir um 14.30 Uhr zur 1 ½stündigen Rundfahrt starteten. Zunächst schipperten wir flussaufwärts bis zur Staustufe Steinbach. Steinbach ist Schleuse Nr. 18 von 34 Schleusen zwischen Mainz und Bamberg. Bei Kaffee und Kuchen unter Deck ließen wir die kleinen Städte und Dörfer an uns vorbeiziehen.

Alles in allem eine rundum gelungene Fahrt, das Wetter war besser wie vorausgesagt, und mit vielen neuen Eindrücken traten wir um 16.00 Uhr zur Heimfahrt.

„Der Wildschütz“ – von Albert Lortzing

„Der Wildschütz“ – von Albert Lortzing

Am Sonntag, den 6. Oktober 2019 sahen wir im STAATSTHEATER KASSEL die komische Oper „Der Wildschütz“.

Beginn war um 18.00 Uhr und da wir noch etwas Zeit hatten, genehmigte sich der eine oder andere im großen und modernen Foyer des Theaters einen Drink zum Einstimmen auf die Vorstellung. Unsere gute Frau Muth holte derweil die reservierten Karten an der Theaterkasse und – siehe da – wir hatten wieder mal die besten Plätze in den ersten drei Reihen.

Erstaunt waren wir dann allerdings, dass der Zuschauerraum lediglich nur halb gefüllt war. Warum? Vielleicht weil der „Wildschütz“ bereits in der vergangenen Saison gespielt wurde?

Es war jedenfalls wieder mal eine originalgetreue Aufführung – teilweise zwar etwas kitschig, aber Albert Lortzing hätte seine Freude gehabt. Die Akteure waren allesamt stimmlich ein Ohrenschmaus – und optisch eine Augenweide mit ihren farbenprächtigen und phantasievollen Trachten.

Der Wildschütz – eine musikalische Komödie mit zum Teil mit gesprochenen Dialogen, die allerdings schwer verständlich waren. Es geht um Verkleidung, Verwechslung, Verstellung. Nach einigen Verwicklungen löst sich alles in Wohlgefallen auf und es gibt ein Happy End. Und der Wildschütz ist auch gar kein Wildschütz, er hat nämlichen seine eigenen Esel erschossen. (Der arme Esel)

Die musikalische Leitung hatte nicht der im Programm angekündigte Herr, sondern Frau Deniola Kuraja, die ihre musikalische Ausbildung in ihrer Heimat Albanien erhielt und seit 2014 am Staatstheater Kassel engagiert ist.

Zum Schluss gab es dann noch eine Ehrung für die Sopranistin Jaclyn Bermudez. In der Vorstellung agierte sie als Baron Freimann und als verkleidetes Gretchen: Die Kasseler VolksBühne verleiht regelmäßig mit Unterstützung der Städtischen Werke den mit 1.000 EUR dotierten VolksBühne-Preis an die vom Publikum gewählte beliebtesten Darsteller. Die Amerikanerin Jaclyn Bermudez ist seit der Spielzeit 2013–14 festes Ensemblemitglied am Staatstheater und hat seither in unzähligen Rollen mitgewirkt.

LA RESURREZIONE – Die Auferstehung am 30. Mai 2019 im Stadttheater Gießen

LA RESURREZIONE – Die Auferstehung am 30. Mai 2019 im Stadttheater Gießen

Oratorium von Georg Friedrich Händel | in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Im leider nicht ganz ausverkauften Theater sahen wir eine wundervolle Aufführung von Händels Oratorium über die die Auferstehung von Jesus Christus.
Der erste Teil spielt in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, wobei ein Streit zwischen Engel und Teufel über Tod und Auferstehung im Vordergrund steht. Manche Szenen wurden so dargestellt, wie sie sich jeden Tag irgendwo zutragen könnten: eine Mutter (eine stumme Rolle) beklagt den Tod ihres erwachsenen Sohnes. Ebenfalls betrauert wird der Verstorbene von Giovanni, Maddalena und Cleofe (in der biblischen Überlieferung der Jünger Johannes, Maria aus Magdala und Maria – die Frau des Jüngers Kleopas).
Der schwarz gekleidete Satan bzw. Lucifero, darstellt von Bass-Bariton Grga Peroš, verkündet seine Freude am Tod des Verstorbenen und glaubt, die Heilsverkündung verhindert zu haben. Doch dann kommt ein Engel, trägt weiße modische Kleidung mit Glitzer im Haar. Er wird von weiteren Engeln begleitet; einer trägt sogar die Osterkerze. Der Engel „Angelo“ nimmt dem toten Jesus nicht nur die Dornenkrone ab, sondern prophezeit auch seine Auferstehung. Der aus Venezuela stammende Countertenor Samuel Mariño in der Rolle des Angelo gelangte mit seinen Koloraturen in atemberaubende Höhen. (Erst das Programmheft gab uns Auskunft darüber, dass es sich tatsächlich um einen Mann handelte).
Der zweite Teil steht ganz im Zeichen der Auferstehung. Giovanni, bereits in schwarzer Priesterkleidung als Vertreter des Christentums, tröstet die trauenden Frauen. Lichtstrahlen kündigen die Auferstehung Jesu an und die Trauer von Maddalena, Cleofe und den Jüngern verwandet sich in Freude. Lucifero muss seine Niederlage eingestehen und verschwindet in der Versenkung. Jesus selbst wird in der Aufführung nie als lebendiger Mensch gezeigt – nur die Projektionen zeigen ihn am Ende als „Auferstandenen“.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die anderen Solisten: Francesca Lombardi Mazulli als Maddalena, sie haben wir bereits in Agrippina und Don Giovanni hören dürfen, Marie Seidler als Cleofe, die ebenfalls zum Gießener Ensemble gehört und als als Gast Aco Biscevic als Giovanni.
Der Orchestergraben war in dieser Inszenierung nicht so tief gesetzt und somit einsehbar für das Publikum.

Diese Aufführung des Oratoriums begeistert die Besucher des Theaters mit langanhaltendem Applaus!
Uraufführung von Händels LA RESURREZIONE war im Jahr 1708. Im Rom herrschte zu dieser Zeit ein päpstliches Verbot, Opern aufzuführen. Man betrachtete die Oper als lasterhaft und wollte mit dem Verbot die allgemeine Moral in Rom heben. Da behalfen sich die interessierten Kreise mit dem Trick, die Form der Oper mit geistlichen Inhalten zu erfüllen – als Oratorium.
In der ersten Aufführung sang die anspruchsvolle Partie der Maria Magdalena eine damals berühmte Sopranistin. Sofort intervenierte der Papst, da Frauen in geistlichen Werken nicht singen durften, sodass man die Künstlerin durch einen Kastraten ersetzten musste.
Die wunderbaren Arien der Maddalena hat Händel später in seiner Oper „Agrippina“ übernommen.

Bilder von Rolf K. Wegst