La Traviata am 24.5.2026 im Stadttheater Gießen
Nach der launigen Begrüßung von Christiane fuhren wir mit dem großen Bus von Plus-Bus Lich ins Theater.
Die neue Inszenierung am Stadttheater deutet Verdis Oper radikal um – schrieb der „Gießener Anzeiger“
nach der Premiere. Die Regisseurin Ute M. Engelhardt ersetzte Violettas tödliche Krankheit Tuberkulose
durch eine Abhängigkeit vom Alkohol und von Männern die sie bezahlen. Schließlich steht am Beginn der
Oper das berühmte Trinklied, „Libiamo ne‘ lieti calici“ (Auf, trinket in vollen Zügen). Violetta ist
Gefangene ihrer Ängste und Alpträume.
Um das deutlich zu machen begleitet sie ein Dämon in Gestalt einer akrobatische Tänzerin auf Schritt und
Tritt. Neben der Gestalt des Dämons sind es jede Menge Flaschen, die ihre Sucht verdeutlichen.
Die Aussicht auf eine gemeinsames Leben mit ihrem Geliebten Alfredo erscheint vor diesem Hintergrund ein
Ausweg zu sein. Aber es gibt kein Entkommens, die Sucht holt sie immer wieder ein. Das melancholische
Vorspiel zum letzten Akt ließ das tragische Ende ahnen.
Leider fiel die sonst so bewegende Sterbeszene relativ emotionslos aus. Ihr geliebter Alfredo ist endlich
wieder bei ihr, aber Violetta haucht ihr Leben aus während er gelangweilt darum steht. Von der Regie so
gewollt, um Violettas Einsamkeit und Gefangenschaft in ihren Zwängen zu betonen. Zu Verdis ergreifende
Musik hätte allerdings eine gefühlsbetontere Darstellung besser gepasst.
Einzigartig war die Sopranistin Annika Gerhards in der Rolle der Violetta. Wir sahen sie bereits 2023 in
Mozarts Oper „Titus“ und 2024 als Gilda in Verdis „Rigoletto“. Auch der mexikanische Tenor Eleazar
Rodríguez als Alfredo Germont und Grzegorz Pelutis als Vater Giorgio Germont sowie Jana Marković
als Violettas Freundin Flora begeisterten mit ihren Stimmen – ebenso wie das gesamte Ensemble.
Und zur Überraschung des Publikums wurde nach dem nicht enden wollenden Applaus verkündet, dass die
Mezzosopranistin Jana Marković als festes Mitglied das Ensemble der Wiener Staatsoper verstärkt. Das
zeigt wieder einmal, dass das „kleine Gießener Theater“ mit seinem Ensemble durchaus mit den großen
Bühnen mithalten kann. Herzlichen Glückwunsch!
Unser Resümee nach diesem Abend: Toll!

Text und Bild GS .