Die Entführung aus dem Serail

Die Entführung aus dem Serail

Die Theatersaison 2015 des Kulturrings Allendorf/Lda. begann am 11. Januar mit der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Im vollbesetzten Gießener Stadttheater  wurden die Besucher zunächst von der Intendanz darüber  informiert, dass die Sängerin Sara Hershkowitz, die Interpretin der „Konstanze“ erkrankt sei. Als ausgezeichneten Ersatz hatte man die aus Moskau stammende Ekaterina Godovanets vom Staatstheater Nürnberg gewinnen können.

Obwohl in der Oper Deutsch gesungen wurde, haben wir vieles akustisch nicht gut verstehen können und das lag nicht nur am Akzent der Darsteller. Dadurch fehlten dem Stück auch die Emotionen. Das dürftige Bühnenbild bestand zunächst nur aus einem quer über die Bühne gezogenen Vorhang, auf dem im Schattenspiel Merkwürdiges vorüberzog. Als sich der Vorhang später öffnete, sah man einen holzvertäfelten Raum mit vielen Türen, in dem  das Geschehen seinen Lauf nahm – eine etwas beklemmende Atmosphäre. Auf orientalisches Flair warteten die Besucher vergeblich – kein Serail, kein Harem, kein türkischer Garten. Ob das im Sinne Mozarts war?

Überragend allerdings wieder die Akteure: Marie Friederike Schöder als „Blonde“ , der lyrische Tenor Daniel Johannsen als „Belmonte“, Torsten Hofmann als „Pedrillo“ und nicht zuletzt der uns schon bekannte rumänische Bassbariton Calin Valentin Cozma als wütender „Osmin“.  Etwas seltsam war allerdings die Rolle des Sultans Selim Bassa: bei Mozart eine Sprechrolle –  jetzt sind zwei Tänzer (Paula Rosolen und Osvaldo Ventriglia) daraus geworden. Als die beiden minutenlang ohne Musik mit einer Geige tanzten, soll bei der Premiere ein Zuschauer gerufen haben:  „Das artet jetzt in eine Turnstunde aus“.

Auch andere diffuse Einfälle des Regisseurs Benjamin Schad  erschlossen sich uns nicht – aber:  es hätte schlimmer kommen können. Trotzdem wurden die Akteure sowie der Dirigent am Ende der Vorstellung mit verdienten und lang anhaltenden  Beifall bedacht. Denn wie schon so oft: nur die Sänger und Musiker unter ihrem Generalmusikdirektor Michael Hofstetter retteten diese Oper.

Fotos: mit freundlicher Genehmigung von Rolf K. Wegst, Stadttheater Gießen

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