Idomeneo

Idomeneo

IDOMENEO – Oper von Wolfgang Amadeus Mozart – Stadttheater Gießen
Als dritte Oper der Theatersaison 2013/2014 sahen wir am 02. Februar 2014 die Oper  „Idomeneo“  von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch dieses Mal erhielten wir von dem Dramaturgen Christian Schröder eine kurze Einführung in die Entstehungsgeschichte und den Inhalt dieses Werkes, was angesichts des schwierigen antiken Stoffes überaus hilfreich war.  Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“, uraufgeführt im Jahr 1781, handelt vom Widerstreit zwischen der Pflicht gegenüber den Göttern und der Treue zu den Menschen.

Die Handlung:
1. Akt
Ilia, als gefangene Trojanerin nach Kreta verschleppt, sehnt sich nach ihrer verlorenen Heimat und fühlt gleichzeitig Liebe zu ihrem Kriegsfeind, dem kretischen Prinzen Idamante. Dieser verkündet glücklich die Rückkehr seines Vaters Idomeneo, dem König von Kreta,  und schenkt aus Freude darüber den Trojanern die Freiheit. Da erscheint Arbace mit der Nachricht, die Flotte des Königs sei in Seenot und Idomeneo gestorben. Idamante eilt bestürzt davon, um am Strand alleine zu sein. Zurück bleibt äußerst wütend Elektra, die den Prinzen auch liebt und verhindern will, dass er Ilia heiratet. Jetzt trauert sie nicht um den tot geglaubten Idomeneo, sondern um ihre eigene Zukunft.
Am Meer tobt ein heftiger Sturm, der das Schiff von Idomeneo am Anlegen hindert. Um den Meeresgott Poseidon zu besänftigen, verspricht der König, ihm das erste Lebewesen zu opfern, das er am Strand trifft. Daraufhin begegnet Idomeneo am Strand seinem Sohn Idamante. Es folgt eine Szene zwischen Vater und Sohn am Strand: Idamante ist hochbeglückt, als er seinen vermeintlich toten Vater lebend wiedersieht. Idomeneo ist entsetzt über das tragische Zusammentreffen und lässt Idamante eilig zurück. Dieser bleibt tief betroffen über die schroffe Zurückweisung zurück.

2. Akt
Idomeneo wird von Arbace geraten, seinen Sohn, der von allem nichts weiß, weit weg zu schicken, um ihn nicht opfern zu müssen. Zwar erkennt der König Ilias Liebe zu Idamante, dennoch schickt er diesen als Begleiter von Elektra auf das Schiff, das sie nach Hause führen soll, damit er dort von Poseidons Zorn verschont bleibt.
Kurz vor Ablegen der Schiffe braust ein neuer Sturm auf, der die gesamte Flotte vernichtet, und ein schreckliches Ungeheuer entsteigt dem Meer. Der Meeresgott fordert seinen Tribut, und vergebens bietet sich ihm Idomeneo als Opfer dar, um seinen Sohn zu schonen.

3. Akt
Idamante verabschiedet sich von Ilia, da er in den Kampf gegen das Monster ziehen will, und die beiden gestehen sich endlich offen ihre Liebe. In ihrer Umarmung werden sie vom König und von Elektra ertappt, die erneut den Prinzen auffordern, Kreta zu verlassen. Vor dem Königspalast schildert der Oberpriester dem König die Schreckenstaten des Ungeheuers und bedrängt ihn, dem Volk nun endlich den Namen des Opfers zu verkünden. Idomeneo gibt nach und nennt den Namen seines Sohnes.
Im Poseidontempel wird die Opferung vorbereitet: Idamante, der soeben das Ungeheuer besiegt hat, soll von seinem eigenen Vater getötet werden. Im letzten Moment will sich Ilia vor die Klinge werfen, um das Leben des Geliebten zu retten. In diesem Augenblick ertönt die Stimme des Orakels, das verkündet, Poseidons Zorn werde besänftigt, wenn Idomeneo die Krone an Idamante abgebe und Ilia Königin werde.

-.-.-

Der englische Starregisseur Nigel Lowery zeichnete auch hier, ebenfalls wie in der fürchterlichen Oper „Freischütz“ im vergangenen Jahr für die Regiearbeit verantwortlich und wir ahnten Schlimmes. Doch trotz einiger surrealen Bilder und Einfälle, die wir uns nicht so recht erklären konnte, waren wir letztendlich doch sehr angetan von der Inszenierung.

Es hätte schlimmer kommen können, denkt man an die Idomeno-Inszenierung von Hans Neuenfels in Berlin, der im schockierenden Schlussbild die blutigen Köpfe der drei Religionsgründer Jesus, Buddha, Mohammed neben dem Kopf Poseidons auf die Stühle stellte. Die Deutsche Oper in Berlin musste damals Mozarts „Idomeneo“ aus Angst vor Islamisten absetzen.

Zum Glück blieben uns solche Grausamkeiten erspart, allerdings nicht viel weniger schauerlich war bei jedem Auftritt des Chores die Opferung eines kahl geschorenen jungen Mannes. Später wurde uns klar, dass letztendlich Idamante Opfer dieses Rituals werden soll, doch das überraschende Happy End – verkündet von der Stimme einer Gottheit  – versöhnte uns wieder.

Die beiden Gießener Tageszeitungen waren voll des Lobes über die Premiere am 18.01.2014. Herausragend war der koreanische Countertenor Kangmin Justin Kim, der inzwischen zu den gefragtesten Countertenören Deutschlands gehört. Und auch der Opernfreund, die älteste deutsche Opernzeitung schrieb:  Eine solche Solistenriege würde auch einem größeren Opernhaus zur Ehre gereichen. Die Chorsänger waren leider unter ihren Schwellköpfen nicht zu sehen, bewältigten aber unter der Leitung von Chordirektor Jan Hoffmann ein enormes Pensum.

Nicht zuletzt wegen der leichten eingängigen Musik wurde diese Opernabend wieder einmal zu einem großartigen Erlebnis.

Einige Bilder des Stücks: (anklicken zum Vergrößern)

Bild 1   – Idamante (Kangmin Justin Kim)
Bild 2 – Starkes Ensemble: Naroa Intxausti (Ilia, links), daneben Kirsten Blaise als Elektra, zwischen ihnen  Kangmin Justin Kim als Idamante, rechts Bernhard Berchthold als Idomeneo
Bild 3 – Chor, Idomeneo
Bild 4 – Elektra, Ilia, Idomeneo, Arbace
Bild 5 – Idamante, Ilia
Bild 6 – Ilia, Idamante, Idomeneo
Bild 7 – Idomeneo

Fotos: Rolf K.Wegst

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